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  • Esther

Upcycling im Lockdown

Was macht man im Urlaub, wenn man nicht in die Ferien fahren kann? Ganz weit oben auf den Listen steht vermutlich oftmals Tagesausflüge, Lesen oder Netflix Binge-Watching. Zu meinen Favoriten gehört auch Zuhause aufräumen und renovieren.


Während ich im ersten Halbjahr des Corona-Jahres eher draußen zu finden war, habe ich mich in den Weihnachtsferien eher auf die Inneneinrichtung fokussiert. Zugegebenermaßen sah ich mich hier mit so einigen Hürden konfrontiert. Die größte war definitiv, dass es uns Home-Improvern nicht grad leicht gemacht wurde, im Lockdown an die notwendigen Materialien zu kommen.

Wenn die Baumärkte und Einrichtungshäuser geschlossen haben, was kann man dann schon tun?

Die paar angebrochenen Dosen Buntlack, die jeder noch im Keller oder der Garage stehen hat, helfen vermutlich nur bedingt bei der Neugestaltung weiter. Aber da man nicht einkaufen kann, muss man sich eben anders zu helfen zu wissen.


Upcycling.


Jepp - genau das. Für die, die grad große Augen machen: Upcycling bedeutet im Prinzip nicht anderes, als alte Sachen wieder zu verwenden. Ggf mit etwas Einsatz hier und da, es wieder schön oder gangbar machen und dadurch ein zweites Leben zu verleihen.


Anstatt also etwas kurzerhand wegzuwerfen, schauen wir, dass wir dem Alten einen neuen Glanz verleihen können.


Im unserem Falle schauen wir danach, was in unserem Hausstand vorhanden ist, was bei der Renovierung oder Neugestaltung helfen kann. Das Ziel kann dabei sowohl sein, Geld zu sparen als auch Müll zu reduzieren oder aber auch der Behelfsfaktor, wenn man einfach nicht einkaufen kann, weil wir im Lockdown sind. Faktisch machen wir aus der Not eine Tugend.


Zudem liegen wir damit voll im Trend. Nachhaltigkeit ist eines der wichtigesten und angesagtesten Trends dieser Tage!


Nun gut: Ich habe im Haus diesen einen Bereich im Ess-/Wohnzimmer, der etwas abgegliedert ist und von mir in den letzten Jahren eher stiefmütterlich behandelt wurde. Anstatt den Raum aufzuwerten und vollumfänglich zu nutzen, habe ich ihn eher versteckt und ignoriert. Daher habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern.


Phase 1: Wo ist das Problem?

Alles klar - erstmal schauen wir uns an, warum ich diesen Bereich so gesehen habe und hier ist die schonungslose Wahrheit:

  1. Die Wände sind scheußlich gestrichen

  2. Hier lagere ich Getränkekisten und den Papiermüll

  3. Der Bereich ist zu klein, um anderweitig genutzt zu werden

  4. Es fungiert als Rumpelkammer für die Dinge, bei denen ich nicht weiß, was ich damit machen soll.

Phase 2: Was könnte die Lösung sein?

Nachdem nun klar ist, was mich an dem Raum stört, kann ich diese Punkte nun effektiv angehen und verbessern. Hier die Ideen:

  1. Die Wände neu streichen

  2. Die Lagermöglichkeiten optimieren

  3. Klein aber oho! Das Vorhandene optimal nutzen

  4. Ausmisten und umfunktionieren: Was nicht gebraucht wird, kommt weg

Phase 3: Und wie soll das gehen?

Was können wir mit vorhandenen Ressourcen erreichen?

  1. Ab in den Keller und abklären, ob es noch Farbe gibt, die wir verwenden können. Oder mal bei den Nachbarn fragen, ob die noch was rumstehen haben, was sie nicht mehr brauchen oder zumindest aktuell entbehren können.

  2. Schauen wir doch mal nach, wofür wir den Raum eigentlich nutzen wollen. Soll hier weiterhin das Getränke und Papiermülllager sein? Wenn ja: Wie können wir das clever umgestalten? Kann ein solcher Raum vielleicht sogar ansprechend sein?

  3. Mit etwas Hin und Her und Kreativität sollte es doch möglich sein, die optimale Ausnutzung des Raumes zu eruieren 💡 Kann man Wege sinnvoll nutzen? Kann man Funktionen verbinden?

  4. Die Theorie ist erstmal: Wenn es ein Teil in diesen Raum geschafft hat, muss es sich die Frage stellen, ob es aktuell noch einen Zweck erfüllt. Wenn ja: Gut - dementsprechend nutzen. Wenn nein - kann man dem Teil einen neuen Zweck zuweisen? Hier gäbe es mehrere Möglichkeiten: Upcycling und selbst nutzen. Verkaufen und sich über das extra Taschengeld freuen oder verschenken/spenden und sich darüber freuen, jemand anderem etwas Gutes getan zu haben.

Phase 4: Ärmel hochkrempeln und los gehts.

Jetzt haben wir uns lang genug Gedanken über den Raum gemacht und wie wir ihn nutzen und womit mir ihn wieder aufwerten wollen, sodass wir nun endlich anfangen können. Das heißt: Alles raus, was nicht niet- und nagelfest ist!

  1. Ich habe einen Rest weiße Innenraum Farbe, sowie einen beige-Ton auftreiben können, die ich von einem vorherigen Projekt übrig hatte. Zusammen reicht dies, um den Raum einmal komplett neu zu streichen. Ich habe mich dazu entschlossen, den oberen Bereich weiß und den unteren Bereich beige zu streichen. Am Übergang installiere ich Styrophorrahmen, die -in beige- als Zierleisten für etwas Kontur sorgen. Und hier das Ergebnis


2. Weiter gehts. Auf die Lagermöglichkeiten kann und möchte ich nicht verzichten. Daher wird der Bereich hinter der Tür nach wie vor für Getränke und den Papierkorb genutzt.

Allerdings gilt auch hier: Was weg kann, muss weg und dadurch wird es etwas weniger chaotisch. Zudem wird ein Vorhang installiert, der das Lager etwas verdeckt.


Da wir hier nicht in die Wände bohren wollen, nutzen wir eine alte Duschvorhangstange, die zwischen die Wände gespannt wird und eine helle Gardine, die gut in den kleinen Raum rein passt.

Der Duschstangen-Workaround ist vor allem für Mieter interessant, da es nicht von allen Vermietern gern gesehen wird, wenn munter in die Wände gebohrt wird. Mit den Duschstangen hat man einen ausreichend guten Halt und zusätzlich deutlich mehr Flexibilität.



3 + 4. Ich fasse die Punkte drei und vier zusammen. Da die Funktionen und das Ausmisten in einem Aufwasch geklärt werden.


Der Raum ist sowohl der Durchgang zwischen Esszimmer und Küche als auch Lagerraum. Der Bereich hinter der Tür ist bereits belegt und so schauen wir uns den restlichen Bereich an.


Bisher stand hier ein altes Sofa, bei dem ich immer dachte, dass ich es nochmal für irgendwas verwenden kann. Vermutlich kann ich das auch, aber dieser Tag ist nicht abzusehen. Also weg damit. Mit etwas Glück findet das Sofa bei einer anderen Familie ein Revival, da es noch in einem tadellosem Zustand ist.


Dann wäre da noch mein Rollwagentisch, den ich als immer als zusätzliche Stellfläche für meine zumeist überladenen Buffets nutze. Wie auch alle anderen, habe ich aktuell eher weniger Gäste zu bewirten, sodass der Tisch hier einen guten neuen Platz findet und gleichsam zweckentfremdet als Regal für die nun übriggebliebenen Sofakissen und Decke dienen kann.


Und dann der Kleinkram: Kisten mit Kabeln, alten Netzteilen, überzählige Schrauben und allerlei anderer Kram. All dies sortiere ich danach, ob ich es noch nutze oder nicht. Schrauben kommen in die Werkstatt, Kabel werden ihrem Gerät zugeordnet und ordentlich verstaut und alles, was sich so angesammelt hat, aber keiner Funktion zugeordnet werden kann, wird aus diesem Raum entfernt. Manches kann ich sicherlich für zukünftige Upcycling Aktionen nutzen, andere Sachen sind nun auf der Suche nach anderen Besitzern.


Als letztes schaue ich noch noch Beleutung, da der Raum nur eine überhelle und wenig gemütliche Deckenlampe hat. Im Keller finde ich eine nicht genutzte orangene Lampe, die ich kurzerhand hinter dem nun freigelegten Heizkörper klemme. Zack - gleich gemütlicher.


Das wars auch schon. Jetzt habe ich sogar noch zusätzlichen Platz, den ich an eine Pflanze vergebe, die über den Winter drinnen lebt.




Voila - Der Raum ist fertig renoviert mit null Kosteneinsatz. Dabei habe ich vorhandene Matierialien genutzt und ihnen zum Teil eine neue Funktion zugeordnet. Andere Sachen wurden wegsortiert und warten somit noch auf ihre neue Bestimmung und wieder andere Sachen haben ein neues Zuhause gefunden.

In Summe bin ich durchaus zufrieden mit dem Resultat und freue mich, den ungeliebten Raum aufgewertet zu haben und den Lockdown sinnvoll genutzt zu haben.





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